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  • 23Okt

    Mc Leod Ganj Looking for Happiness: Buddhisten

    Dalhousie
    In Dalhousie, haben wir dann zum ersten Mal in Indien die Natur und vor allem die klare, saubere Luft dort richtig genießen können. Auf ca. 2000 m Höhe hatten wir von den Restaurants, Guesthouses etc. fantastische Blicke über die umliegende Landschaft, da diese fast alle an den Berghängen gebaut sind.

    Zusammen mit dem Besitzer unseres Hotels, Raj, der als Anwalt tätig ist und seinem Kumpel Adam, einem Homöapathen, sind wir nach Mc Leod Ganj gefahren.

    Es war eine rundum tolle Fahrt: die Landschaft war großartig und wir 4 hatten jede Menge Spaß und tolle Gespräche. Für uns war es unsere erste Begegnung mit gebildeten, gleichaltrigen Indern und so konnten wir u.a. auch einige unserer Fragen „klären“.

    Interessant war auf jeden Fall bei dieser Begegnung, dass egal wie ähnlich unsere Mentalität, unser Leben bzw. unsere Lebeneinstellungen uns auch zunächst vorkamen, spätestens beim Thema „Partner“ sich dann gezeigt hat, wie tief verwurzelt, die indische Tradition in den beiden steckt: sie warten beide darauf, dass ihre Eltern eines Tages für sie eine geeignete Frau finden, mit der sie dann gemeinsam in ihren Elternhäusern weiterwohnen würden….

    Mc Leod Ganj
    Nach einer ca. 6 stündigen Fahrt sind wir dann in unserem langersehnten Ziel: Mc Leod Ganj, dem Sitz der Tibetischen Exilregierung, angekommen.

    Dieser Drang bzw. das starke Bedürfnis nachzusehen, wie es der Tibetischen Bevölkerung, die in Tibet von den Chinesen vertrieben wurden und über die Berge hierher geflüchet sind, war ja seit meiner Tibetreise 2001 stetig gewachsen.

    Hier waren wir nun also in diesem riesen „Flüchtlingslager“. Es herrscht schon eine „eigenartige Atmosphäre“: auf der einen Seite, die Tibeter, für die das Leben hier einen komplett neuen Anfang findet und auf der anderen Seite jede Menge Reisende, die scheinbar gar nicht wissen, was um sie herum passiert:

    Viele rennen einfach rum, halten wortlos jedem der ihnen vor die Linse kommt einfach ihren Fotoapparat mitten ins Gesicht oder fotografieren einfach die Menschen mitten bei ihren religiösen Handlungen. Viele Reisende hängen einfach mehrere Tage in dem „indienuntypischem“ Ort mit seinen „coolen Cafés“, bunten Klamottenläden und der großartige Landschaft in der Umgebung ab, konsumieren jede Menge Alkohol und andere Drogen und verlassen schließlich den Ort zu ihrem nächsten „Programmpunkt“ auf ihrer Indienreise… Nur viel zu Wenige sehen wir, die tatsächlich mit den Menschen reden.

    Und dabei haben gerade hier die Tibeter das starke Bedürfnis sich mitzuteilen. Um etwas in der Welt erreichen zu können, sehen sie das Erlernen der Englischen Sprache sozusagen als erste Notwendigkeit an und haben äußerstes Interesse ihre englischen Sprachkenntnise mit den Reisenden zu verbessern.

    Uns fällt es schwer bei dem Anblick von „Neuankömmlingen“, die einfach vor dem Haupttempel weinend zu Boden gehen und ihre Ehrerbietung dem Buddha zeigen, nicht zu weinen.

    An mehreren Stellen hängen Plakate von „Tibet’s stolen child“, dem Panchen Lama, der im Alter von 9 Jahren 3 Tage nach der offiziellen Ernennung durch den Dalai Lama einfach samt seiner ganzen Familie spurlos verschwunden ist… Die Chinesen haben an seiner Stelle einfach ihren eigenen, chinesischen Panchen Lama bestimmt…

    Dem Unverständnis darüber, wie ein internationales Ereignis wie die Olympischen Sommerspiele 2008 in einem Land ausgetragen werden können, in dem derartige Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung stehen, wird auch in Postern und Plakaten in verschiedensten Formen Ausdruck verliehen.

    Leider war Seine Heiligkeit, der XIV Dalai Lama zurzeit gerade in den USA, weil er dort am 17. Oktober 2007 (also vor ein paar Tagen) von den United States eine „Gold Medal of Honor“ bekommen hat.

    Diese freudigen und hoffnungstragenden Infos wurden natürlich per Telefon etc. auch nach Lhasa (Tibets Hauptstadt) weitergetragen. Sobald die Nachricht dort verbreitet war, haben die Tibeter auf den Straßen sich glücklich gezeigt und diese Würde gefeiert. Das chinesische Militär hat diese Menschen sofort verprügelt und ins Gefängnis gesteckt. In Mc Leod Ganj hat daraufhin eine kleine Versammlung zum Gedenken gegen diese Gewalttaten stattgefunden.

    Während der Vorbereitungen zu dieser kleinen Parade durch Mc Leod Ganj kamen wir mit einem Reporter ins Gespräch:

    Er ist vor 2 Jahren aus Tibet geflohen, um etwas an der politischen Situation in seinem Heimatland ändern zu können… Er ist 22 Tage (!!!) im Schnee mit 8 anderen gelaufen. Zum Glück haben es alle 8 bis Indien geschafft, denn auf dem Weg sind ihnen viele Leichname und Skelette von denen begegnet, die diesen mühsamen Trek ohne jegliche Ausrüstung nicht geschafft haben…

    Aber das heftigste an seiner Geschichte, sind gar nicht die puren Fakten (dass sobald er seine Muter zuhause anruft, sie Besuch vom Militär bekommt, da diese sämtliche Telefonate abhören), sondern die Stärke und Größe wie er das erzählt.

    Und wenn ich dann frage, ob er keinen Hass bekommt auf die Chinesen, dann sagt er nur „Doch, aber er ist dankbar das S.H. Der Dalai Lama sein Volk so unterrichtet, sich gewaltlos und friedvoll den Probelmen zu wiedersetzen…“

    Er sagt, sogar, dass es den Tibetern wirtschaftlich in Tibet inzwischen durch die Chinesen gar nicht so schlecht ginge, aber sie einfach nicht in Freiheit leben können und ihren Glauben, Kultur und Tradition aufgeben müssen und er deswegen nach Indien gekommen ist, um etwas für die Freiheit in seinem Land bewirken zu können. Dabei hat er in Kauf genommen, seine Eltern, Geschwister und Freunde wahrscheinlich nie wieder im Leben sehen zu können und eines Tages vielleicht auch nicht mehr am Telefon sprechen zu können…

    Es ist schwer in Worte fassen, aber ich hatte schon so sehr dieses Bedürfnis dem armen Kerl einfach irgendwas geben zu können oder irgendwo mit hinzunehmen, wo er seinen Frieden finden kann…

    Aber auf einmal springt er plötzlich auf, verabschiedet sich höflichst, bedankt sich sogar, dafür, dass wir hier als „Zeuge“ sind und sagt, er müsse jetzt seine Arbeit als Reporter machen und über diesen kleinen „Protestmarsch“ berichten… und schwupps war er weg!

    Dabei hätten wir nur zu gerne von ihm gehört, was wir machen können, wie wir helfen können, wir hatten sogar aus unserer eigenen Hilflosigkeit das Bedürfnis ihm einfach Geld in die Hand zu drücken…

    Wir haben uns dann noch über eine Woche in Mc Leod Ganj aufgehalten und sind u.a. in dem Norbulinka Institut in die tibetische Gesellschaft und Tradition eingetaucht. Hier werden verschiedene Aspekte deren Kultur: Kunst, Musik, Geschichte etc. aufrechterhalten.

    Nach insgesamt 2 Wochen sind wir dann mit dem Gefühl aus Mc Leod Ganj abgereist, dass wir an der Situation der Tibeter hier mit ihrer unglaublichen geistigen Stärke und diesem unbesiegbare Glauben an das Gute im Menschen nicht viel ausrichten können.

    Vielmehr haben wir uns bestärkt darin gesehen in anderen Teilen der Welt uns für die Tibeter einzusetzen…

    Und zwar sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir Ihnen am meisten „helfen“ können, indem wir Ihnen zunächst erstmal Respekt zollen.

    Dies tun wir u.a., indem wir persönlich „made in China“ Produkte und China als Reiseland boykottieren. Wir sind der Meinung, dass jeder ausländische Tourist auf deren Statistik sein schweigendes OK zum Verhalten der chinesischen Regierung gibt.

    Das ist doch das, wo jeder Einzelne „im Kleinen” etwas Gutes tun kann!

    Buddhismus
    Der Buddhismus ist eine Lehrtradition und Religion mit weltweit etwa 375 Millionen Anhängern vor allem in Süd-, Südost- und Ostasien. Die Buddhisten berufen sich auf die Lehren des Siddhartha Gautama, der nach heutigem Kenntnisstand im 5. Jahrhundert v. Chr. in Nordindien lebte.

    Er wird als „historischer Buddha“ bezeichnet. „Buddha“ (wörtlich „Erwachter“) ist ein Ehrentitel, der sich auf ein Erlebnis bezieht, das als Bodhi („Erwachen“) bezeichnet und oft ungenau mit „Erleuchtung“ übersetzt wird.

    Gemeint ist damit nach der buddhistischen Lehre eine fundamentale und befreiende Einsicht in die Grundbedingungen alles Lebens, aus der sich die Möglichkeit zur Überwindung des leidhaften Daseins ergibt. Diese Erkenntnis nach dem Vorbild des historischen Buddha zu erlangen und durch Befolgung seiner Lehren im Alltag umzusetzen, um die Aufhebung des Leidens zu ermöglichen, ist das Ziel des buddhistischen Erlösungsstrebens.

    Entwicklung
    Der Buddhismus entstand auf dem indischen Subkontinent, wo Siddhartha Gautama zur Welt kam. Der Überlieferung zufolge erlangte er im Alter von 35 Jahren durch das Erlebnis des „Erwachens“ eine Aufeinanderfolge von Erkenntnissen, die es ihm ermöglichten, die buddhistische Lehre zu formulieren. Bald danach begann er mit der Verbreitung der Lehre, gewann die ersten Schüler und gründete die buddhistische Gemeinde. Bis zu seinem Tod im Alter von 80 Jahren, mit dem bei ihm nach buddhistischer Vorstellung das endgültige Nirvana ( “Verlöschen”) eintrat, wanderte er lehrend durch Nordindien.

    Von der nordindischen Heimat Siddhartha Gautamas verbreitete sich der Buddhismus zunächst auf dem indischen Subkontinent, auf Sri Lanka und in Zentralasien.

    Aspekte des Buddhismus drangen auch in andere religiöse Traditionen ein oder gaben Impulse zu deren. Der Buddhismus trat in vielfältiger Weise mit den Religionen und Philosophien der Länder, in denen er Verbreitung fand, in Wechselwirkung. Dabei wurde er auch mit religiösen und philosophischen Traditionen kombiniert, deren Lehren sich von denen des ursprünglichen Buddhismus stark unterscheiden.

    Lehre
    Nach der buddhistischen Lehre ist jedes Lebewesen einem endlosen Kreislauf (Samsara) von Geburt und Wiedergeburt (Reinkarnation) unterworfen. Ziel von Buddhisten ist es, durch ethisches Verhalten, die Kultivierung der Tugenden (Fünf Silas), die Praxis der „Versenkung“ (Samadhi, vgl. Meditation) und die Entwicklung von Mitgefühl und Weisheit (Prajna) aus diesem Kreislauf herauszutreten. Auf diesem Weg sollen Leid und Unvollkommenheit überwunden und durch Einsicht (Erwachen) der Zustand des Nirwana realisiert werden.

    Basis der buddhistischen Praxis sind die Vier Edlen Wahrheiten:

    1. die Erkenntnis, dass das Leben von Leid geprägt ist
    2. die Erkenntnis, dass dieses Leid durch Begierde verursacht wird
    3. , dass die Begierde und somit das Leid durch tugendhaftes Leben und Meditation überwunden werden können
    4. , dass die der Weg dahin über den Achtfachen Pfad führt, der Handlungsanweisungen zum tugendhaften Leben gibt in deren Mittelpunkt Rücksichtnahme und Erkenntnis stehen.

    Siddharta Gautama

    Gemäß der Überlieferung wurde Siddhartha Gautama etwa 563 v. Chr. in Lumbini im nordindischen Fürstentum Kapilavastu, heute Teil des Nepals, als Sohn des Herrscherhauses von Shakya geboren und trägt daher den Beinamen Shakyamuni, „Weiser aus dem Hause Shakya“.

    Im Alter von 29 Jahren wurde ihm bewusst, dass Reichtum und Luxus nicht die Grundlage für Glück sind. Er erkannte, dass Leid wie Altern, Krankheit, Tod und Schmerz untrennbar mit dem Leben verbunden ist, und brach auf, um verschiedene Religionslehren und Philosophien zu erkunden, um die wahre Natur menschlichen Glücks zu finden.

    Sechs Jahre der Askese, des Studiums und danach der Meditation führten ihn schließlich auf den Weg der Mitte und er hatte unter einer Pappelfeige in Bodh-Gaya im heutigen Nordindien das Erlebnis des Erwachens (Bodhi).

    Wenig später hielt er seine erste Lehrrede und setzte damit das „Rad der Lehre“ (Dharmachakra) in Bewegung. Danach verbrachte er als Buddha den Rest seines Lebens bis zu seinem Tod im Alter von 80 Jahren mit der Unterweisung und Weitergabe der buddhistischen Lehre, des Dharma. 

    Grundlagen

    In seiner ursprünglichen Form ähnelt der Buddhismus teils mehr einer Denktradition oder Philosophie als einer Religion im westlichen Verständnis.

    Buddha selbst sah sich weder als Gott noch als Überbringer der Lehre eines Gottes. Er stellte klar, dass er die Lehre Dharma (Sanskrit), nicht aufgrund göttlicher Offenbarung erhalten, sondern vielmehr durch eigene meditative Schau (Kontemplation) ein Verständnis der Natur des eigenen Geistes und der Natur aller Dinge erkannt habe. Diese

    Erkenntnis sei jedem zugänglich, wenn er seiner Lehre und Methodik folge.
    Dabei sei die von ihm aufgezeigte Lehre nicht dogmatisch zu befolgen. Im Gegenteil warnte er vor blinder Autoritätsgläubigkeit und hob die Selbstverantwortung des Menschen hervor. Er verwies auch auf die Vergeblichkeit von Bemühungen, die Welt mit Hilfe von Begriffen und Sprache zu erfassen, und mahnte eine Skepsis gegenüber dem geschriebenen Wort oder feststehenden Lehren an, die in anderen Religionen in dieser Radikalität kaum anzutreffen ist.

    Von den monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) unterscheidet der Buddhismus sich grundlegend. So benennt die buddhistische Lehre weder einen allmächtigen Gott noch eine ewige Seele. Das, und auch die Nichtbeachtung des Kastensystems, unterscheidet ihn auch von Hinduismus und Brahmanismus, mit denen er anderseits die Karma-Lehre teilt. In deren Umfeld entstanden, wird er mitunter als eine Gegen- oder Reformbewegung zu den vedischen Glaubenssystemen Indiens betrachtet.

    Die „Vier Edlen Wahrheiten“ und der „Achtfache Pfad“

    Kern der Lehre des Buddha sind die von ihm benannten Vier Edlen Wahrheiten, aus der vierten der Wahrheiten folgt als Weg aus dem Leiden der Achtfache Pfad.

    Ursache und Wirkung: Karma
    Karma bezeichnet ein spirituelles Konzept, nach dem jede Handlung – physisch wie geistig – unweigerlich eine Folge hat, es entspricht in etwa dem Prinzip von Ursache und Wirkung. Diese muss nicht unbedingt im aktuellen Leben wirksam werden, sondern kann sich möglicherweise erst in einem der nächsten Leben äußern.

    Karma bezieht sich auf alles Tun und Handeln sowie die nichtmateriellen Ebenen des Denkens und Fühlens. All das erzeugt entweder gutes oder schlechtes Karma oder kann karmisch gesehen neutral sein.

    Höchstes Ziel des Buddhismus ist es, die Folge der Wiedergeburten, das Samsara.zu entkommen, indem kein Karma mehr erzeugt wird – Handlungen hinterlassen dann keine Spuren mehr in der Welt. Im Buddhismus wird dies als Eingang ins Nirvana bezeichnet. 
    Da dieses Ziel in der Geschichte des Buddhismus oft als unerreichbar in einem Leben galt, ging es, besonders bei den Laien, mehr um das Anhäufen guten Karmas als um das Erreichen des Nirvana in diesem Leben. Gekoppelt daran ist der Glaube, dass der durch gute Taten erworbene Verdienst auch rituell an andere weitergegeben werden könne, selbst an Verstorbene oder ganze Nationen.

    Der Kreislauf des Lebens: Samsara

    Der den wichtigen indischen Religionen gemeinsame Begriff Samsara, „beständiges Wandern“, bezeichnet den fortlaufenden Kreislauf aus Leben, Tod und Wiedergeburt, Werden und Vergehen. Das Ziel der buddhistischen Praxis ist, diesen Kreislauf zu verlassen.

    Alle Wesen sind im Kreislauf des Lebens gefangen, daran gebunden durch Karma: ihre Taten, Gedanken und Emotionen, durch Wünsche und Begierden. Erst das Erkennen und Überwinden dieser karmischen Kräfte ermöglicht ein Verlassen des Kreislaufs. 

    Reinkarnation

    Reinkarnation und Karma waren Begriffe, die in der indischen Philosophie bereits vor Erscheinen des Buddha bekannt waren. Wie der westlichen Rezeption meist entgeht, widersprach der Buddha diesen vedischen Konzepten grundlegend und ersetzte sie entsprechend seiner Erfahrung.

    Die indische Philosophie kannte das „Selbst“, vergleichbar mit der persönlichen Seele der westlichen Gedankenwelt. Buddha verneinte deren Existenz als individuelle und konstante Einheit, die auch wiedergeboren werden könnte.

    Im Gegensatz dazu sprach er von dem „Nicht-Selbst“. Die Vorstellung von Atman ist demnach Teil der Täuschung über die Beschaffenheit der Welt. Gemäß der Lehre Buddhas entsteht die Persönlichkeit mit all ihren Erfahrungen und Wahrnehmungen in der Welt erst aus den Fünf Aneignungsgruppen, den Skandhas (Sanskrit): Körper, Empfindungen, Wahrnehmungen, Geistesregungen und Bewusstsein.

    Reinkarnation wird im Buddhismus also nicht als „Seelenwanderung“ verstanden, sondern als ein Impuls aus dem Karma des Gestorbenen. Dieser Impuls ist Folge der nicht ausgeglichenen Karmabilanz des Betreffenden, die sich in einer oder mehreren neu in Erscheinung tretenden Existenzen erneut manifestieren.

    Eine bekannte Allegorie vergleicht diesen Prozess mit der Flamme einer Kerze, die weitere Kerzen anzündet. Weder die Kerze selbst noch die Flamme bleiben dieselben, aber ohne die ursprüngliche Kerzenflamme gäbe es auch die folgenden nicht.

    Das bedingte Entstehen

    Wiedergeburten vollziehen sich, solange verursachende, nach Realisierung drängende Triebkräfte vorhanden sind. Diese „bedingte Entstehung“, auch „Entstehen in Abhängigkeit“ ist eines der zentralen Konzepte des Buddhismus. Es beschreibt die Seinsweise aller Phänomene in ihrer dynamischen Entwicklung und gegenseitigen Bedingtheit.


    Die Lehre: Dharma

    Dharma (Sanskrit) bzw. Dhamma (Pali) bezeichnet im Buddhismus zweierlei:

    • Die Lehre Buddhas: Dharma sind die Vier edlen Wahrheiten. Es bildet eines der Drei Juwelen, der so genannten „Zufluchtsobjekte“, bestehend aus dem Lehrer, der Lehre und der Gemeinschaft der Mönche (Buddha, Dharma und Sangha).
    • ·Die Gesamtheit aller weltlichen Phänomene, der Natur an sich und der ihr zu Grunde liegenden Gesetzmäßigkeiten.

    Das Erwachen: Bodhi
    Bodhi ist der Vorgang des „Erwachens“, oft ungenau mit dem unbuddhistischen Begriff „Erleuchtung“ wiedergegeben. Voraussetzungen sind das vollständige Begreifen der „Vier edlen Wahrheiten“, die Überwindung aller an das Dasein bindenden Bedürfnisse und Täuschungen und somit das Vergehen aller karmischen Kräfte. Durch Bodhi wird der Kreislauf des Lebens (Samsara) verlassen und Nirvana erlangt.

    Verlöschen: Nirvana

    Nirvana (Sanskrit) bezeichnet das Verlassen von Samsara, den Kreislauf aus Leben, Tod und Wiedergeburt. Nirvana kann letztlich mit Worten nicht beschrieben werden, es kann nur erlebt und erfahren werden als Folge intensiver meditativer Übung und Erkenntnis.

    Es ist auch kein Ort, nicht vergleichbar mit Paradies-Vorstellungen anderer Religionen. Es ist kein Himmel und keine greifbare Seligkeit in einem Jenseits. Nirvana ist ein Abschluss, kein Neubeginn in einer anderen Sphäre. Somit ist es ein Zustand der Zustandslosigkeit, in dem alle Vorstellungen und Wunschgebilde, also alle karmischen Kräfte, überwunden und gestillt sind. Auch tritt Nirvana nicht erst mit dem Tod ein – Buddha selbst lebte und unterrichtete noch 45 Jahre, nachdem er Nirvana erreicht hatte. Das endgültige Aufgehen oder „Verlöschen“ im Nirvana nach dem Tod wird als Parinirvana bezeichnet.

    Religiöser und Philosophischer Aspekt

    Während der Buddhismus zu den Weltreligionen gezählt wird, gibt es insbesondere im Westen Buddhisten, die sich als solche nicht für Anhänger einer Religion halten. Sie betrachten den Buddhismus als Weisheitslehre und Philosophie, die mit unterschiedlichen religiösen Bekenntnissen oder weltanschaulichen Überzeugungen vereinbar sei.

    Ein fundamentaler Gegensatz zu allen theistischen Religionen besteht darin, dass der Buddhismus die Existenz eines allmächtigen Schöpfergottes ablehnt. Vereinbar ist er jedoch mit der Annahme, dass es Götter und Geister gibt, die ebenso wie alle anderen Lebewesen grundsätzlich der Unwissenheit und dem Leid sowie dem Kreislauf der Wiedergeburt unterworfen sind. Daher konnten bei der Verbreitung des Buddhismus viele Elemente der ursprünglichen Religionen und Kulturen der jeweiligen Länder übernommen und in den Buddhismus integriert werden. So wandelten sich die ursprünglichen Bön-Gottheiten in Tibet zu Verkörperungen von verschiedenen Aspekten Buddhas in Form von Bodhisattvas. Diese werden oft als Buddhas Verehrer, Zuhörer oder Beschützer dargestellt.

    Abgesehen von der Leugnung des Schöpfergottes besitzt der heute gelebte Buddhismus zahlreiche Eigenschaften einer Religion, deren Formen sich allerdings je nach Tradition stark unterscheiden: Ritual, Gemeinschaft, Liturgie, Seelsorge, Askese und Mönchtum, Mystik und Dogmatismus.

    Während Buddhismus in Asien als etwas angesehen wird, das untrennbar mit den jeweiligen kulturellen und historischen Besonderheiten verbunden ist, gibt es im Westen den Trend, die philosophischen und psychologischen Aspekte des Buddhismus aus ihrem historischen, kulturellen und religiösen Kontext herauszulösen und mit Werten wie Aufklärung und Demokratie zu verbinden. Angesichts der unterschiedlichen Konzepte von Buddhismus ist es eine Frage der Sichtweise und der Religionsdefinition, ob Buddhismus mit dem deutschen Begriff „Religion“ bezeichnet werden soll oder nicht.

    Buddhistische Schulen
    Es gibt drei Hauptrichtungen des Buddhismus:

    1. Hinayana („Kleines Fahrzeug“), aus dessen Tradition heute nur noch die Form des Theravada („Lehre der Älteren“) existiert,
    2. Mahayana („Großes Fahrzeug“),
    3. Vajrayana (im Westen meist als Tibetischer Buddhismus bekannt oder irreführender Weise als „Lamaismus“ bezeichnet).

    In allen drei Fahrzeugen sind die monastischen Orden Hauptträger der Lehre und für deren Weitergabe an die folgenden Generationen verantwortlich.

    Quelle: Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Buddhismus aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

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  • 18Okt

    Ganga Aarti in Haridwar Looking for Happiness: Hindus

    Hindiusmus

    Der Hinduismus ist mit etwa 900 Millionen Anhängern die (nach Christentum und Islam) drittgrößte Religion der Erde und hat seinen Ursprung in Indien. Gläubige Hindus verstehen ihre Religion oft auch als Lebensart. Die ältesten heiligen Schriften des Hinduismus sind die Veden.

    Der Hinduismus ist deshalb eine Religion, die aus verschiedenen Richtungen mit recht unterschiedlichen Schulen und Ansichten besteht. Es gibt kein gemeinsames für alle gleichermaßen gültiges Glaubensbekenntnis. Nur einzelne Richtungen gehen auf einen bestimmten Begründer zurück. Da es sich beim Hinduismus um unterschiedliche religiöse Traditionen handelt, gibt es auch keine zentrale Institution, die Autorität für alle Hindus hätte. Die Lehren über spirituelle Belange und sogar die Gottesvorstellungen sind in den einzelnen Strömungen sehr verschieden, selbst die Ansichten über Leben, Tod und Erlösung (Moksha) stimmen nicht überein.

    Die meisten Gläubigen jedoch gehen davon aus, dass Leben und Tod ein sich ständig wiederholender Kreislauf (Samsara) sind, sie glauben an die Reinkarnation. Für den persönlichen Glauben haben religiöse Lehrer (Gurus) oft einen großen Stellenwert. Trotz aller Unterschiede können Hindus der verschiedenen Richtungen weitgehend gemeinsam feiern und beten, wenn auch ihre Theologie und Philosophie nicht übereinstimmt. „Einheit in der Vielfalt“ ist eine oft verwendete Redewendung zur Selbstdefinition im modernen Hinduismus.

    Glaubensrichtungen und Lehre
    Der Hinduismus kennt keine gemeinsame Gründerperson. Jede Glaubensrichtung hat eigene nur für sie verbindliche heilige Schriften. Die Veden mit den Upanishaden und die Bhagavad Gita (als Bestandteil des Mahabharata) gelten als die grundlegenden heiligen Texte für alle Hindus. Entgegen dem ersten Anschein ist der Hinduismus keine polytheistische Religion. Denn alle Götter können – je nach individueller Glaubensausrichtung – Ausdruck des einen höchsten persönlichen Gottes oder auch der unpersönlichen Weltseele (Brahman) sein. Hinduistische Lehren betrachten den Kosmos als geordnetes Ganzes, das vom Dharma, dem Weltgesetz, welches die natürliche und sittliche Ordnung darstellt, beherrscht wird.

    Gottesbild
    Die verschiedenen hinduistischen Traditionen und Philosophien vertreten unterschiedliche Gottesbilder, Hauptrichtungen sind jedoch Shivaismus, Vishnuismus sowie Shaktismus, die Verehrung Gottes in weiblicher Form. Brahma, Shiva und Vishnu werden auch als Dreiheit Trimurti, dargestellt. Die Verehrung von Shiva und Vishnu, jeweils in unzähligen verschiedenen Formen und Namen, ist weit verbreitet. Brahma dagegen ist nur noch in der Mythologie präsent, in der Verehrung spielt er fast keine Rolle mehr, seine Stelle nimmt seine Shakti ein, die Göttin Saraswati.

    Daneben gibt es aber unzählige andere Manifestationen z. B. den elefantenköpfigen Ganesha, der als Sohn von Shiva und Parvati gilt, sowie Hanuman, der Diener Ramas, der wiederum ein Avatar von Vishnu ist. Es gibt auch eine große Zahl weiblicher Gottheiten, die entweder als „Große Göttin“ (Mahadevi) autonom auftreten wie etwa Durga oder als Gemahlinnen bzw. weibliche Seite der männlich gedachten Götter gelten, z.B. Sarasvati und Lakshmi.

    Die meisten Gläubigen gehen davon aus, dass die Anbetung eines jeden Gottes dem Anbeten des höchsten Göttlichen entspricht, da alle Erscheinungsweisen des Einen seien.

    Andere dagegen verehren das Höchste nur in einer Form, wie etwa viele der Anhänger Krishnas, und betrachten die anderen Götter als ihm untergeordnete Devas. Die Verehrung des Göttlichen in Bildern und Statuen ist weit verbreitet.

    Wiedergeburt und Erlösung
    Götter, Menschen und Tiere durchwandern nach hinduistischer Glaubensvorstellung in einem durch ewige Wiederkehr gekennzeichneten Kreislauf Samsara die Weltzeitalter Yuga. Während des Lebens wird je nach Verhalten gutes oder schlechtes Karma angehäuft. Dieses Gesetz von Ursache und Wirkung von Handlungen beeinflusst nach hinduistischer Vorstellung zukünftige Reinkarnationen und die Erlösung (moksha), das Aufgehen des Atman (das innewohnende Brahman). Die persönliche Erleuchtung ist der Endpunkt der Entwicklung des Geistes, diese kann durch die klassischen drei Methoden erreicht werden: Bhakti Yoga, die liebende Verehrung Gottes, Karma-Yoga, den Weg der Tat, sowie Jnana Yoga, den Weg des Wissens. Oft zählt man als vierten Weg Raja Yoga, den „Königsweg“ hinzu.

    Die Heilige Kuh als göttliches Wesen
    Möglicherweise auch als Reaktion auf den Vegetarismus im Buddhismus und auf die gestiegene Bedeutung der Gewaltlosigkeit, forderten die hinduistischen Schriften verstärkt Verzicht auf den Verzehr von Fleisch. In vedischen Zeiten waren die Lebensumstände noch völlig anders. In einigen Schriften gibt es Hinweise, dass Fleisch, selbst Rindfleisch, gegessen wurde, wobei es sich aber stets um das Fleisch von Opfertieren gehandelt haben dürfte.

    Allgemeiner Vegetarismus ist jedoch für Hindus weder eine Forderung noch ein Dogma, jedoch wird die vegetarische Lebensweise als die ethisch höhere angesehen, da Fleisch ein Produkt der Tötung ist und nicht rein. Vegetarier sind in allen Bevölkerungsschichten zu finden, besonders wird der Verzicht aber von Brahmanen erwartet. Prinzipiell lehnen aber fast alle Hindus den Genuss von Rindfleisch ab.

    In der indischen Mythologie finden sich vielfältige Bezüge zur Kuh. Von Krishna wird gesagt, er sei einerseits ein Govinda (Kuhhirte) und andererseits ein Gopala (Beschützer der Kühe). Seine Gefährtin Radha ist eine Gopi (Hirtenmädchen), Shivas Reittier ist der Bulle Nandi.

    Rolle der Frau
    Eine wichtige Rolle im hinduistischen Frauenbild stellt Sita dar, die Gattin Ramas aus dem großen Epos Ramayana. Das Bild der opferbereiten Gattin stellt für viele noch heute das Modell der idealen Frau dar. Sie wurde dadurch zum wichtigen Thema im indischen Feminismus und in der modernen indischen Literatur.

    Mutterschaft
    Eine der Hauptaufgaben der Frau im Hinduismus ist die Mutterschaft. Jedes Stadium der Schwangerschaft bis hin zur Geburt wird begleitet von sakramentalen Riten zum Schutz und zu körperlichem und geistigem Wohlergehen von Mutter und Kind. Früher sollten Frauen möglichst viele Söhne bekommen, da diese die Sicherheit und das Überleben der gesamten Familie garantieren konnten. Obwohl Hindus die Töchter nicht generell geringer schätzen, gelten sie doch zu oft auch heute noch in manchen Familien als Belastung, da sie bei ihrer Hochzeit die Mitgift mitbringen müssen und die Familie durch Mitgiftzahlungen für zu viele Töchter auch verarmen kann. Dieses Problem führt zu einer hohen Abtreibungsrate bei weiblichen Föten. Viele moderne Hindus, besonders in den Städten, freunden sich allmählich mit dem Gedanken an, dass auch eine Tochter ihre Eltern im Alter versorgen kann.

    Das Ideal ist ein vierstufiges Lebensmodell, das vorsieht, nach den Schülerjahren eine Familie zu gründen und erst nachdem die Kinder erwachsen geworden sind sich zurückzuziehen und sich intensiv religiösen Studien und der eigenen Erlösung zu widmen.

    Unsere Eindrücke
    In Indien wird einem die Tatsache, dass man sich in einem „mehrheitlich hinduistisch geprägten“ Land aufhält durch die verschiedenen Tempel oder Schreine an allen Ecken, den ganzen verschiedenen Festlichkeiten oder einfach nur beim Registrieren der zig Gottesbildern, die einem täglich in den unterschiedlichsten Formen im indischen Alltag (von Amuletten, Aufklebern, Figuren aus allen möglichen Materialien, Namen an Hotels, Restaurants, Shops und sogar Menschen etc.) über den Weg laufen, ständig vor Augen geführt.

    Und obwohl wir während unseres 6 monatigen Aufenthaltes wirklich versucht haben, durch die ganzen Gottheiten und Glaubensrichtungen durchzusteigen, mussten wir doch immer wieder eine Ähnlichkeit zwischen der indischen Religion und dem hier herrschenden Straßenverkehr feststellen: das ganze unterliegt Regeln und einer gewissen Ordnung, die aber für Außenstehende (d.h. für nicht „Eingefleischte“/ hier Geborene) äußerst schwer sind vollkommen zu verstehen. Es ist eben eine „Einheit in der Vielfalt“.

    So kommen also die Perücken nach Hamburg in die Raboisen:
    Der bedeutende hinduistische Tempelkomplex im Bundesstaat Andhra Pradesh (Südindien) zieht jährlich Millionen von Pilgern an. Er ist der Gottheit Shri Venkateshvara geweiht.

    Der traditionelle Glaube besagt, bei der steinernen Statue von Shri Venkateshvara - der wichtigsten Gottheit des Tempels - handele es sich nicht um eine von Menschen geschaffene Statue, sondern um eine “selbst-erschaffene” Statue, in der sich der Gott manifestiert habe.

    Jeden Freitag wird die Abhishekha-Zeremonie (heiliges Bad) durchgeführt. Dabei wird die Statue rituell gebadet; nach dem Bad wird die Gottheit mit Öl eingerieben. Für diese Zeremonie muss Eintritt bezahlt werden. Teil des täglichen Rituals ist das Anlegen von Gewändern (Alankarasaranam). Die Gabe von Speisen an die Gottheit wird Naivedya genannt. Dabei dürfen im Heiligtum nur Arachakas (Priester) anwesend sein. Die gekochten Speisen werden anschließend als Prasada an die Pilger verteilt. Der größte Teil des Tages ist dem Darshan vorbehalten, bei dem Pilger sich der Statue nähern, um die Präsenz der Gottheit in sich zu realisieren.

    Der mythologische Hintergrund der in Tirumala gefeierten Festivals und Rituale rekrutiert sich aus der Volksreligion, weniger aus dem Hindu-Schrifttum. Das Baden, Füttern und Ankleiden von Gottheiten entstammt der Welt der Volksreligion. Jedoch bietet der Tempel ein ebenso reiches Angebot an Sanskritrezitationen für den an klassischen Texten interessierten Pilger.

    Die Tempelorganisation in Tirumala ist ein gutes Beispiel für die Koexistenz von Religiosität und Geschäft (was in Indien ohnehin nicht als Widerspruch gesehen wird). Die Unterhaltung der religiösen Veranstaltungen und ihrer Beamten wird durch Eintrittsgebühren finanziert.

    Wer nur wenig bezahlen kann, muss länger warten, wenn der Andrang groß ist; unter Umständen einige Stunden. Kirchensteuern werden nicht erhoben. Die Pilger spenden viel, oft kleine Scheine und Münzen. Diese Spenden werden in der Tempelverwaltung akribisch sortiert. Dies kann der Tempelbesucher beobachten, da diese Räume verglast sind.

    Viele Pilger lassen sich im Rahmen von Gelübden die Haare scheren, die der Tempel dann verkauft. Der Tempel macht mit diesem sogenannten Tempelhaar einen jährlichen Umsatz von 250 Millionen Euro, die in eine Stiftung fließen. Die Haare werden zum großen Teil für Haarverlängerungen und Perücken verwendet.

    Quelle: Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Hinduismus aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

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  • 14Okt

    Der Goldene Tempel in Amritsar Looking for Happiness: Sikhs

    Auf unserer Reise durch den Norden Indiens hatten wir dann unterschiedliche Begegnungen mit verschiedenen Religionen dieses Landes, die alle auf ihre eigene Art und Weise das Glück suchen.

    In den Staaten gibt es nämlich folgende Mehrheiten: Punjab: Sikhs, Jammu und Kaschmir: Moslems, Haryana: Hindus, Ladakh: Buddhisten.

    Delhi

    Aus Delhi sind wir mit dem Zug rausgefahren. Für unsere erste Zugfahrt haben wir uns ein „Superticket“ mit Sitzreservierungen in der besten Klasse (mit Glasscheiben, Klimaanlage und einer 2×2 Sitzverteilung) gegönnt.

    Auf dem Bahnsteig, wo wir unser ganzes Gepäck abgeladen haben und immer fest miteinander verknotet und in unseren Händen gehalten haben, setzt sich auf einmal eine Frau DIREKT neben uns und pinktelt los!!!

    Wir konnten zum Glück gerade noch rechtzeitig unsere Taschen wegreißen. Den anderen Indern schien das völlig egal zu sein, denn die haben einfach in Ruhe weitergegessen und ihr Picknick auf dem Bahnsteig fortgeführt…

    Mal schauen, ob wir nach 6 Monaten auch so völlig relaxt sind, dass wir derartige Dinge auch gar nicht mehr wahrnehmen!?

    Chandigarh

    Unser erstes Ziel nach Delhi war Chandigargh, da es laut unserem Reiseführer „India’s Greenest & cleanest City“ ist. - Na ja, wir mußten feststellen, dass das wohl alles relativ zu betrachten ist :-))

    Im dort bekannten „Rockgarden“ (einem wirklichen beeindruckendem künstlerischen Park) hatten wir dann unser erstes „Fotoshooting“. Sämtliche Schulklassen, die zeitgleich mit uns da waren, wollten zusammen mit uns ein Foto. Das ging in etwa immer gleich ab: erst unter einem lauten Gekicher die Jungs, dann unter nicht weniger lautem Gekicher die Mädels und schießlich gab’s dann immer noch ein Gruppenfoto mit den Lehrern. Selbstverständlich auch hier unter dem größten Gekicher. Zusätzlich hatten die Inder Lust auf „Händeschütteln“ und so haben wir alleine an diesem Tag bestimmt 300 Hände geschüttelt!

    Amritsar

    Nach knapp einer Woche in Indien sind wir in Amritsar, im Bundesstaat Punjab, angekommen. Dies ist das Land der Turban tragenden Sikhs und hier steht auch ihr heiligster Schrein, der „Goldene Tempel“.

    Sikh-Religion

    Wesentliche Merkmale der Sikh-Religion sind die Betonung der Einheit der Schöpfung, die Abkehr von „Aberglauben“, traditionellen religiösen Riten und sozialer Hierarchisierung entlang Religion, Herkunft und Geschlecht.

    Die Sikh-Religion orientiert sich nicht an der Einhaltung religiöser Dogmen, sondern hat das Ziel, religiöse Weisheit für den Alltag nutzbar zu machen. Guru Nanak sowie seine neun nachfolgenden Gurus (religiöse Vorbilder) unterstreichen in ihren Einsichten, ihr Verständnis, über vorhandene Religionen hinauszugehen und distanzieren sich inhaltlich von den dominierenden religiösen Traditionen ihres Zeitalters, darunter Buddhismus, Hinduismus und Islam.

    Für Sikhs existieren verschiedene formale Vorgaben:

    Erscheinungsbild

    Praktizierende Sikhs, vor allem männliche Religionsanhänger, erkennt man an einem kunstvoll gebundenen Turban. Dieser drückt entsprechend dem Selbstverständnis der Sikhs Weltzugewandheit, Nobelhaftigkeit und Respekt vor der Schöpfung aus. Einige wenige Sikh-Frauen tragen ebenfalls einen Turban, jedoch bevorzugen Sikh-Frauen, die auf eine Kopfbedeckung wert legen, ein dünnes Stofftuch.

    Sikhs tragen die fünf Kakars:

    1. Kes (ungeschnittenes und gepflegtes Haar: Abgrenzung von asketischen Traditionen, Respektsbekundung für die Schöpfung, d. h. ein Sikh lehnt sich nicht gegen die Naturgesetze auf, die Gott erschuf)
    2. Kangha (Holzkamm: für die Haarpflege)
    3. Kirpan (kleiner Dolch: ursprünglich ein Schwert zur Selbstverteidigung; Sinn für Selbstachtung, Gnade und Gerechtigkeit)
    4. Kadha (eiserner Armreif: ursprünglich zum Schutz gegen Schwerthiebe)
    5. Kachera (eine kurze Hose/Kniehose), als Zeichen von Hygiene, die zu damaligen Zeiten keinen Standard bildete, aber auch als Zeichen von sexueller Enthaltsamkeit.

    Namensgebung

    Sikhs tragen in der Regel gleichlautende Nachnamen. Als Ausdruck von Geschwisterlichkeit tragen Sikh-Männer den gemeinsamen Nachnamen Singh (Löwe), Frauen heißen mit Nachnamen Kaur (Prinzessin). Die Namensgebung wurde von Guru Gobind Singh im 17. Jahrhundert eingeführt. Die Verwendung der gleichen Namen soll einen Kontrapunkt zu der in Indien verbreiteten sozialen Hierarchisierung entlang der Nachnamen darstellen.

    Dennoch verwenden manche Sikhs noch einen Nachnamen, zum Beispiel ihre Kaste oder ihren Herkunftsort oder sie stellen ihren Beruf vor den Namen.

    Männliche Sikhs werden mit Sardar oder dem eher ländlichen Bhaiji oder Bhai Sahib, zu Deutsch Bruder, angesprochen, weibliche mit Sadarni, Bibiji, Frau, oder Bhainji, Schwester.

    Gurdwara - Der Goldene Tempel in Amritsar, Indien

    Gurdwaras, (wörtlich: Tor zum Guru) die Tempel der Sikhs stehen allen Menschen unabhängig ihrer Konfession offen. So weisen z.B. im Goldenen Tempel von Amritsar vier Eingänge in die vier Himmelsrichtungen umzu zeigen, dass die Sikhs allen Menschen offen gegenüberstehen und sie willkommen heißen.

    Jeder, der ein Gurdwara betritt, ist zum Tragen einer Kopfbedeckung verpflichtet.

    Gurdwaras sind stets zugänglich, egal ob Tag oder Nacht.

    Getrennt wird das Gurdwara in einen Bereich für Männer und Frauen, wobei kleine Kinder sich meistens bei ihren Müttern befinden. Dieses soll unreine Gedanken verhindern. Vor allem schützt es auch Frauen vor “fremden Blicken”. Trotzdem ist es gestattet sich auf die Seite des anderen Geschlechtes zu setzen.

    Morgens, mittags und abends findet ein gemeinsames kostenfreies Mahl statt, das Langar. Es wird durch die Spenden finanziert und von ehrenamtlich arbeitenden Sikhs selber zubereitet. “Hauptbestandteile” eines solchen Langars sind meistens Dal, Linsensuppe, die auch oft Speise der Armen ist (und daher die Gleichheit aller Menschen betont), und Reis.

    Ernährungsgewohnheiten

    Der Verzehr von Fleisch ist generell nicht verboten. Einzig im Gurdwara (Tempel) werden meist nur vegetarische Gerichte angeboten um allen Anwesenden die Möglichkeit zu bieten alles essen zu können. Allein geschächtetes Fleisch gilt als Verboten da diese Weise des Tötens von Sikhs als unnötig grausam empfunden wird. Dem Körper schädigende Dinge wie z.B. Tabak, Alkohol und andere Drogen sind zudem auch untersagt.

    Reinkarnation

    Die Sikh glauben – ebenso wie Hindus – an die Reinkarnation. Ebenso glauben sie, dass der Mensch die höchste Existenzform ist und somit die besten Chancen hat, den ewigen Kreislauf der Wiedergeburt zu durchbrechen.

    Materielle Bedürfnisse

    Im Gegensatz zum Hinduismus akzeptieren Sikh die Wichtigkeit materieller Bedürfnisse und deren Befriedigung. So prägen das Eheleben und die Familie nicht nur einen Lebensabschnitt, sondern sind für das ganze Leben wichtig. Deswegen steht die Sikh-Religion dem Streben nach Wohlstand und Ansehen nicht im Weg, es wird sogar gesagt:

    „Ein Sikh muss anderen ein Beispiel geben; er soll ein besserer Bauer, ein besserer Geschäftsmann und ein besserer Beamter sein.“

    GOBIND SINGH MANSUKHANI: Introduction to Sikhism

    Religiöse Grundeinsichten

    Die religiösen Einsichten der Sikh-Religion sind wie folgt festgehalten:

    Fortwährendes Gottvertrauen sowie die Verinnerlichung und das Leben spiritueller Weisheit im Alltag (Nam) stehen dabei im Mittelpunkt.

    Ein zentrales Thema ist die Überwindung des Egoismus. Laut den Religionsgründern ist das Haupthindernis für inneren und sozialen Frieden das Hängen am eigenen Ich und an weltlichen Dingen (Maya). Innerer Frieden, auch Mukti (Erlösung) genannt, kann durch ein erwachtes und aufgeklärtes Bewusstsein erreicht werden, welches das Gefühl des Getrenntseins von allem Existierenden als Illusion durchschaut.

    Lebenseinstellung

    Die Sikh-Religion geht davon aus, dass jede Tat und jeder Gedanke gemäß dem Naturgesetz von Ursache und Wirkung eine Konsequenz haben. Es wird daher größter Wert auf eine tugendhafte Lebensführung gelegt.

    Als Eckpfeiler des Sikh-Seins gelten ein sozial ausgerichtetes Familienleben, der ehrliche Verdienst des Lebensunterhaltes sowie lebenslange spiritueller Entwicklung. Der Dienst an Mitmenschen sowie das Bemühen zur Beseitigung sozialer Ungerechtigkeiten werden als wichtige Form der Gotteshingabe angesehen. Frauen und Männern wird eine gleichberechtigte Rolle zugesprochen (gleiche Rechte und Pflichten).

    Rituale, Pilgerfahrten, die Wiederholung von Mantren oder eines bestimmen Namens für Gott sowie die Ausübung von spezifischen Yoga- und Meditationstechniken werden für eine tiefgehende religiöse Haltung als unwichtig eingestuft. Aberglaube, Okkultismus, Asketentum, religiöses Spezialistentum (Priester etc.), das Mönchs- und Nonnentum sowie Mittler zwischen dem Menschen und dem Schöpfer werden abgelehnt, da jedem Menschen das Potential zugesprochen wird, das Göttliche direkt in sich selbst und im Alltag mit anderen zu erfahren

    Gegensätze zu anderen Religionen

    Neben dem Monotheismus steht auch die Verehrung eines formlosen Gottes im Gegensatz zum Hinduismus, ebenso wie die Ablehnung des Kastensystems. Dennoch durchdringt das Kastensystem den Alltag der Sikhs, weil es im indischen Alltag übermächtig ist.

    Die Sikhs nach dem 15. August 1947

    Nach der Unabhängigkeit Indiens von Großbritannien wurden Indien und Pakistan gegründet, es entstand ein pakistanischer und ein indischer Panjab. Millionen von Menschen, darunter viele Sikhs, siedelten von dem entstandenen pakistanischen Teil in den indischen Teil um.

    Durch die Unabhängigkeitsbestrebungen der Sikhs kommt es immer wieder zu Konflikten. Diese fanden 1984 ihren Höhepunkt mit dem Stürmen des Goldenen Tempels durch die hinduistisch geprägte Zentralregierung und dem Tod hunderter Sikhs. Darauf folgte die Ermordung der damaligen Ministerpräsidentin Indira Gandhi durch zwei ihrer Sikh Leibwächter.

    Das Eingreifen internationaler Menschenrechtsorganisationen in dieser Krisenregion wurde notwendig. Gut 20 Jahre später, wird der renommierte Ökonom Dr. Manmohan Singh, als erster Sikh zum Ministerpräsidenten Indiens ernannt. In Indien ist eben alles möglich!

    Unser Besuch im Goldenen Tempel

    Da Amritsar äußerst dreckig (die gefühlte Lungenbelastung beträgt hier die eines Konsums von 1000 Zigaretten pro Tag !) und laut ( zum 1. Mal verstehen wir, dass man von Lärm tatsächlich sterben kann) ist, stellt der Tempelkomplex des Goldenen Tempels eine richtige Oase dar.

    Grenzwertig war das Erlebnis nur dadurch, dass man nur barfuß in den Tempel durfte (no Socks allowed!!!). Das kostet ganz schön Überwindung, wenn einem am Eingang beim Durchwaten des Fußwaschbeckens schon die ganzen Leprafüße direkt neben einem, ins Auge stechen!

    Alles höchst infektiös!!! Drinnen im Tempel war es dann echt super. Als wir uns dann abends noch einmal den beleuchteten Tempelkomplex angesehen haben, gesellt sich ein in Kanada lebender Sikh zu uns, der uns unheimlich tolle interessante Einblicke in seine Religion gewährt hat.

    Beeindruckt waren wir vor allem von der großen Toleranz und Unaufdringlicheit dieser Religion, die sich auch in folgendem seiner Aussage zeigt:

    „Sikhs are like salt in vegetables, without them there is no taste. But with too many of them, you can’t eat the vegetable.”

    Wir erfuhren weiterhin, dass sehr viele Sikhs im Ausland, leben und dort ihre Kultur, eigene Sprache, Musik, Religion und Küche repräsentieren, sodass dies oft dem Bild entspricht, das man weltweit von Indien im Kopf hat.

    Unser Besuch in Attari

    Der „Wahnsinn“ erreichte dann seinen Höhepunkt als wir eines Nachmittags von Amritsar in einem Sammeljeep in das ca. 30 km entfernte Attari gefahren sind. Hier findet jeden Abend ein riesen Spektakel anlässlich der Schließung des Grenzübergangs zwischen Indien und Pakistan statt.

    Während der Fahrt hatten wir gleich 2 Unfälle: als unser Fahrer, den Rückwärtsgang tätigte, weil wir dem Vordermann draufgefahren sind, sind wir dabei auch gleich noch dem Hintermann draufgefahren. Zum Glück hatte sich die ganze Situation nach einem kurzen, aber heftigen Wortgefecht offensichtlich geklärt und der Verkehr setzte sich einfach fort, als wäre nichts geschehen.

    Somit sind wir noch rechtzeitig angekommen, denn die Tribünen, die auf jeder Seite ca. 30.000 Plätze fassen, waren bis auf den letzten Platz gefüllt.

    Das Spektakel der Grenzschließung ist ein wahres Theaterstück und schon Stunden vorher strömen die Menschenmassen herbei. Die Wartezeit auf indischer Seite wird durch ausgelassenen Gesang und Tanz verkürzt.

    Was auf der pakistanischen Seite passiert, können wir nicht sehen, aber das immer wieder lauthals gerufene “Hindustan Zindabad” (Lang lebe Hindustan), wird von der pakistanischen Seite mindestens genauso lautstark „beantwortet“.

    Die eigentliche Zeremonie der Grenzschließung dauert 20 Minuten und strotzt vor Patriotismus und Imponiergehabe mit Drohgebärden und stark überzogenen Gesten.

    Lautstark angefeuert vom jeweiligen Publikum schreiten die Soldaten auf und ab, schmeißen dabei ihre Beine so hoch in die Luft, dass sie sich jedes Mal fast selber gegen das Kinn treten.

    Schließlich stehen die Grenzwächter beider Seiten Schulter an Schulter nebeneinander und holen ihre Flaggen ein. Dabei wird penibel darauf geachtet, dass beide Fahnen synchron eingeholt werden - keine darf über der anderen stehen.

    Bei der ganzen ausgelassenen Stimmung ist es schwerz zu glauben, dass das Verhältnis zwischen Indien und Pakistan in der Realität doch eher angespannt ist.

    Wir sind beeindruckt davon, wie sehr auch hier wieder die Menschen jeder Situation etwas Gutes abgewinnen können und immer einen Anlass finden um ausgiebigst sich selbst und vor allem das Leben zu feiern!

    Quelle: Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Sikhismus aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

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  • 12Okt

    Kulturschock Indien

    Mehr oder minder ausgeschlafen haben wir nach dem ersten Blick bei Tageslicht aus unserem Zimmerfenster berechtigte Angst aus dem Hotel rauszugehen:

    1. Eindruck: Die Stadt ist der reinste Horror!! Dreckig, laut und alles ist höchstinfektiös!!!

    Erst als wir Hunger bekommen wagen wir uns zu Fuß, da wir Hemmungen haben eine Fahrradrikshaw mit einem der gebrechlich aussehenden Fahrer zu nehmen, aus dem Hotel. Und von der rasanten Fahrt der letzten Nacht haben wir uns auch noch nicht ganz erholt. Ein T-Shirt mit dem Aufdruck: „NO Taxi, not today and not tomorrow“ hat es nicht umsonst zu einem der meistgekauftesten Motiv-T-Shirts Indiens gemacht!

    Immer die Warnungen der Tropeninstitut-Ärztin im Hinterkopf schrecken wir vor allem Höchstinfektiösem, was uns in die Quere kommt zurück: zu viele Mengen von Betelnussgespucke (das wir zu dem Zeitpunkt noch für Butflecken hielten!), zu viele offene Wunden an Menschen und Tieren (Kühe, Pferde, Hunde), zu viele Insekten, die auf uns landen, zu viele Essensstände, deren hygienische Umstände uns auf der Suche nach Essbarem langsam verzweifeln ließen und überhaupt von allem Lärm, Dreck, Müll und Staub einfach viel zu viel.

    „Die täglich in Delhi eingeatmete Luft ist in etwa mit der Lungenbelastung eines Konsums von 350 Zigaretten pro Tag zu messen!“

    Aus Respekt vor dem sogenannten „Delhi Belli“ (= Umstellung des Immunsystems / Diarrhea or dysentery contracted from eating Indian (i.e., from India) food.), dass leider nicht ohne längerfristige Beschwerden über die Bühne geht, halten wir uns tagsüber mit Chips und Keksen über Wasser bis wir abends das vertrauenserweckende Restaurant T.G.I Friday’s fanden.

    Dennoch gab es auch hier kulturelle Verständigungsprobleme: bei dem Bestellen von 2 Colas bekommen wir nur eine und ein Überraschungs-Gericht bei dem wir nur wissen wollten, ob dieses scharf ist und eigentlich ganz etwas anderes wollten.

    Daraus lernten wir folgende Lektionen:

    1. die Inder zählen mit ihren Fingern anders als wir: so wird der Daumen einfach außer acht gelassen und nur wenn man „2“ als „V-Victory-Zeichen“ (Zeige- und Mittelfinger) anzeigt, bekommt man auch tatsächlich 2 Colas!
    2. die Inder drücken ein “ja”, “kann man machen” bzw. “ok“ mit leicht schräg geneigtem Kopfwackeln und gleichzeitigem Nicken aus, das uns eher verwirrt und leicht als ein „nein“ interpretiert wird.


    Gestärkt von unserem 20 €-Mahl (= 1280 Rupies!!!) trauen wir uns dann auch zum ersten Mal auf die Radrikshaw. Im dunklen Delhi wollen wir ganz sicher nicht alleine den Menschenmassen an der Trainstation und dem Main Bazaar auf dem Weg zu unserem Hotel ausgesetzt sein.

    Dass wir nach so einem ersten Tag erstmal eine Zigarette brauchen ist wohl verständlich. Allerdings werden diese in Indien, wie Tabletten in der Apotheke einzeln verkauft und man erntet komische Blicke, wenn man großkotzigerweise gleich die ganze Packung verlangt!

    Für den nächsten Tag haben wir uns für die „sichere Sightseeing-Variante“ im klimatisierten Bus entschieden und können die Stadt, so krass es auch ist, hinter den Glasscheiben um einiges mehr genießen…

    Dies ist allerdings eine „Art zu Reisen“, mit der wir uns auf gar keinen Fall identifizieren wollen. Da wir wussten, dass dies unsere einzige „Hinter-den-Scheiben-Tour“ auf dieser Reise bleiben soll, wussten wir auch, dass wir einiges an „Kopfarbeit“ tun müssen, um uns in Indien schnellstmöglich zu akklimatisieren…

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  • 10Okt

    Ankunft in Indien

    Ausgerüstet mit 1,5 kg Medikamenten der gesamten Impf-Palette gegen alle Eventualitäten, genügend Müsli-Notfallriegeln und der Urinelle* sowie dem TravelJohn* im Gepäck geben wir uns der Illusion hin, dass uns in Indien so schnell nichts umhauen kann…

    Bis uns im Flieger auf einmal einfällt, dass wir aufgrund unserer kurzfristigen Hotelbuchung ja gar keinen Transfer mehr zu unserer ersten Unterkunft gebucht haben. Im LP finden wir folgende Information im „Getting Around - To/From Airport-Chapter”:


    „Following the murder of an Australian female tourist in Delhi in 2004, a special tourist police squad was established. These clearly marked jeeps (each with English-speaking police, including one woman) are stationed at tourist centers, including the Delhi international Airport, New Delhi train station and Janpath. Seek assistance if you are being bothered by touts or face other problems.”


    Na super, das klingt ja sehr vertrauenserweckend, besonders wenn man bedenkt, dass unsere Ankunftszeit 0:30 Uhr nachts ist.

    Und so war unsere Taxifahrt ins Hotel ein einziges Horrorszenario: da weder der englischsprechende Polizist noch die „versprochene Frau” in Sicht waren, waren wir also einzig und allein auf den Abrechnungsbeleg angewiesen. Damit der Fahrer nämlich keinen „Unfug” mit seinen Passagieren anstellt, wird man angehalten, diesen von der Polizei ausgestellten Beleg so lange in der Hand zu halten, bis man sicher im Hotel angelangt ist und ihn erst dann dem Fahrer zu überreichen. Schwierig ist es nur, wenn der Polizist, der die Fahrtdetails gleich noch am Flughafen aufnimmt den Receipt nicht uns, sondern unserem Fahrer in die Hand drückt. So mussten wir also erstmalig um ca. 2 Uhr morgens in dem „gewöhnungsbedürftigen” indischen Straßenverkehr bei „Full Speed” und einem ohrenbetäubendem Gehupe uns diesen Beleg hart erkämpfen. Ebenfalls mussten wir wenig später lauthals darauf bestehen, dass uns der Taxifahrer direkt bis zur Hoteltür fährt und nicht wie von ihm angedacht uns auf einmal in einer finsteren Sackgasse aussteigen lässt.

    Unsere erste Lektion des „Punktuellen Ausrastens” bekamen wir also weniger als 2 Stunden nach Ankunft in Indien!

    Stunden später sind wir mit einem für uns bis dato unbekannten, dann aber im Laufe der Reise als fester Bestandteil unsrer Emotionen dazugehörigem Gefühl des „Was machen wir hier überhaupt?” eingeschlafen…

    * Urinelle Urinierhilfe für Frauen
    Frauen müssen sich häufig mit sehr unhygienischen Sanitäreinrichtungen abfinden: Auf Autobahnraststätten und Schiffen, im Dschungel, in den Bergen oder einfach in einem Café. Jetzt bietet Urinelle die Lösung für solche Situationen. Urinelle ermöglicht es Frauen, das Sitzen auf unhygienischen Toiletten zu vermeiden und im Stehen zu urinieren - einfach, sicher und hygienisch. Die Anwendung ist kinderleicht. Die Frau bleibt stehen, faltet die Urinelle auf und drückt die anatomisch gestaltete Urinierhilfe leicht an den Unterleib. Urinelle ist urinundurchlässig und lässt sich gegebenenfalls in der Toilette spülen. Die Urinelle ist biologisch abbaubar.

    * TravelJohn Wegwerf-Urinal
    TravelJohn ist ein Wegwerf-Urinal, das für all jene Situationen entwickelt wurde, in denen keine Toilette verfügbar ist. TravelJohn ist für Menschen jeden Alters geeignet (Kinder, Frauen und Männer) und eignet sich besonders für Sportler, Reisende, Campingbegeisterte, PKW-Fahrer, Behinderte und für jeden, der in einer WC-losen Lage „mal dringend muss”. TravelJohn ist einfach, kompakt und mehrfach verwendbar (bis 800 ml Inhalt ). TravelJohn besteht aus biologisch abbaubaren Polymeren und nicht gewebten Materialien. Die Polymere werden binnen 10 Sekunden in Gel verwandelt und können nach dem Kontakt mit Urin oder Erbrochenem bis zu fünfzig mal ihres Volumens erreichen. Das so entstandene Gel bleibt auch dann im TravelJohn, wenn der Beutel Druck ausgesetzt wird. TravelJohn ist geruchsarm und dicht.

    (* Die Produktbeschreibungen stammen von dem Hersteller MEDIDAR GmbH)

    Noch ist der Elan da, in dem verdreckten und höchstinfektiösen Delhi ein wenig Sauberkeit reinzubringen...

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  • 05Okt

    Mahatma Gandhi

    Einreiseformalitäten

    Unglaubliche Erfahrungen mit der indischen Mentalität machten wir in dem Indischen Generalkonsulat, Raboisen 6, 20095 Hamburg:

    Um nach Indien einreisen zu können, braucht man ein gültiges Visum. Dass dieses, anders als für andere Länder, seine Gültigkeit nicht mit dem Tag der Einreise, sondern mit dem Tag der Ausstellung beginnt, verwundert uns, wird aber in unsere Planung mit einbezogen. Am Montag, den 08. Oktober 2007 09:30 Uhr geht unser Flieger von Hamburg nach Delhi.

    Eine Woche vorher am 01. Oktober 2007 erfragen wir telefonisch bei dem indischen Konsulat in Hamburg, ob es möglich sei morgen, also am 02. Oktober um 09:00 Uhr unsere Pässe mit den ausgefüllten Antragsformularen abzugeben und gleich noch am selben Tag nachmittags die Pässe inkl. Visa abzuholen.

    “Kein Problem. Die Pässe werden morgens von 09:00-9:30 Uhr abgegeben und nachmittags zwischen 16:00-16:30 Uhr können Sie das Visum abholen. Das kostet 50,- EUR.”

    Super! Wer hätte gedacht, dass indische Bürokratie so schnell und unkompliziert sein kann!?

    Als wir am nächsten Tag vor verschlossenen Türen stehen sind wir dann doch verwundert. An der Tür hängt ein Zettel:

    “Due to the occasion of Mahatma Gandhi’s birthday, the Embassy will remain closed on the 2nd October 2007.”

    Ok, einatmen, ausatmen. Nein, davon lassen wir uns nicht aus der Fassung bringen. Diese Tatsache war dem Kollegen wohl gestern am Telefon zu offensichtlich, dass sie zu erwähnen ihm völlig überflüssig erschien. Gut, kommen wir also am Donnerstag wieder, denn auch ein indisches Konsulat wird wohl am 03. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, geschlossen haben. Dann sind es immer noch mindestens 1,5 Werktage bis unser Flieger geht.

    Am Donnerstag um 09:00 Uhr machen wir dann unsere ersten Erfahrungen mit dem indischen Gefühl für den menschlichen Intimbereich oder dem 2. Indischen Volkssport nach dem Cricket: “Optimale Raumausnutzung”.

    An dem Fenster zur Passausgabe saß ein einzelner Mann. Die Schlange und das Gedränge vor dem Schalter werden immer dichter, sodass wir unsere Füsse ohne einen Zentimeter Abstand zwischen denen des Vorder- und des Hintermanns eingepasst haben.

    Schon hier wird uns klar, dass es in Indien bei der massiven Einwohnerzahl wohl keinen Platz zu verschenken geben wird. Weniger als einen halben Meter, aber ca. 6 Wartende vor uns, hören wir einen aufgeregten Geschäftsmann, der fragt, ob es möglich sei, sein Visum bereits um 14:00 Uhr abholen zu können, da er sonst unmöglich seinen 17:00 Uhr Flug nach Hongkong bekommen kann.

    “Nein Sir, das Visum können Sie zwischen 16:00-16:30 Uhr abholen.”

    Punkt! Es macht auch keinen Sinn auf die, auf Schildern ausgewiesenen Öffnungszeiten der Visaabteilung (Montag-Freitag 09:00-12:00 Uhr und 14:00-16:30 Uhr) hinzuweisen. De Facto ist der Einmannschalter hinter dem Fenster nur morgens und nachmitags für je 30 Minuten besetzt. Punkt! Was in der Zwischenzeit passiert bleibt ungeklärt bzw. zählt wohl nicht zu den Öffnungszeiten für die Öffentlichkeit.

    Um genau 16:00 Uhr finden wir uns wieder in dieser ungewohnt intimen Warteschlage. Gut 2 Meter vor uns und ca. 15 Wartende (!!!) dazwischen steht der Geschäftsmann mit hochrotem Kopf. Das Donnern seiner Halsschlagader hören wir so lange bis er völlig schweißgebadet mit seinem Visum aus dem Wartezimmer stürmt. Wenig später verlassen auch wir wieder in Besitz unserer Pässe, dieses Mal mit dem langersehnten Visum, das indische Konsulat.

    Ok, nur noch Kofferpacken, fertig und los!

    PS: Beim Wegfahren wundern wir uns dann noch, dass jeder zweite Hauseingang in der Straße Raboisen in ein Perückengeschäft führt. Interessante Nachbarschaft mit mehr Hintergrund als uns an diesem Tag bewusst war…


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  • 04Okt
    Nordindien Comments Off

    Jodhaa Akbar

    Incredible India!

    DER Slogan mit dem Indien jedes Jahr um die Gunst von Millionen Touristen wirbt beschreibt GENAU was wir in Indien 6 Monate lang erlebt haben.

    Täglich sind wir in diese “Ist das sein/ihr Ernst?” bzw. “Passiert uns das gerade tatsächlich?”-Situationen gekommen und mussten immer wieder wortlos und mit

    größtem Kopfschütteln feststellen, dass selbst die für uns unglaublichsten Sachen irgendjemandes totaler Ernst waren und wir uns inmitten dieser nicht zu fassenden Erlebnisse befinden.

    So zB, als wir von einer Kuh angepinkelt oder vom wilden Affen angegriffen wurden. Die Kotze unserer Mitreisenden durchs Fenster wieder zu uns reingeflogen ist,  Fußfetzen in der legendären indischen 3. Zugklasse auf uns bröselten, unser Busfahrer des Beinschmuggels beschuldigt wurde und uns ein tollwütiger Hundebiss in Angst und Schrecken versetzte.

    Wir, auf der anderen Seite, fast noch zu Bollywoodstars avancierten, Zeugen einer Indischen Traumhochzeit wurden, freilebende, wilde Elefanten im Dschungel antrafen und zig wunderbare Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen hatten.

    Am 14. März 2008 lasen wir auf der Titelseite der “Hindu Times”, dass eine Mutter Ihr Baby in der Zugtoilette geboren hat, dieses aber dabei durch das Loch im  Boden auf die Gleise fiel und unglaublicherweise überlebte. Passend für Indien ist es, dass dieses Baby, ungeachtet seiner Kaste, als “heilig” betrachtet wird.

    Somit erklärt sich das Krankenhaus u.a. sofort als erstes bereit lebenslänglich für das Baby die medizinische Versorgung und die Kosten für dessen Bildung zu übernehmen. Pilgerströme, die das heilige Kind sehen wollen, bringen Opfergaben die den mittellosen Eltern eine solide finanzielle Grundlage schaffen. Ebenso indientypisch ist, die spontan der Situation angepasste Namensgebung:
    Nach dem aktuellen Bollywood-Streifen ” Jodhaa Akbar ” (Romanze zwischen dem muslimischen Mogulen-Imperator Akbar und der Rajput Prinzessin Jodhaa) wird das Kind Jodhaa genannt.

    Alles ist also möglich in Incredible India! Auch für uns!

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