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  • 26Nov

    Familienfoto: Indische Hochzeit

    Teil 2 des indischen Märchens

    Die indische Hochzeit

    In Jodhpur hatten wir dann das große Glück auf einer Hochzeit eingeladen zu werden. Und zwar hatten wir nachmittags zusammen mit Hänki in einem „Lassi Hotel“ (der Begriff „Hotel“ steht hier in Indien übrigens zu unserer öfteren Überraschung „nur“ für ein Restaurant) den Filmproduzenten Mahindra Bhora aus Mumbai kennengelernt. Wir sind nett mit ihm ins Gespräch gekommen und schwupps haben wir uns abends eine rasante 30 minütige Rikshawfahrt später auf einem mit unzähligen kunterbunten Lichterketten behangenen Palmengarten mit ca. 500 weiteren geladenen Gästen wiedergefunden.

    Glücklicherweise hat sich Mahindra bestens um uns gekümmert, sein Sohn ist übrigens ein bekanntes Filmsternchen aus angeblich DER indischen Soap und hat unter den Gästen reichlich Autogramme verteilt. .

    Wir ware also in bester Gesellschaft und Mahindra hat uns mit allen notwendigen Infos umsorgt (das ist schon ein richtiger Luxus, denn oft genug wurden wir Zeugen von Dingen die um uns herum in Indien passierten, von denen wir keinen blassen Schimmer hatten, was sie „bedeuteten“.). Somit wußten wir, dass die Hochzeit arrangiert war, aber die Eheleute sich bereits ein paar Male im Beisein ihrer Eltern getroffen hatten. Das letzte ok dieser Trauung hat dann schließlich ein „Priester“ gegeben, der dazu die Sternenkonstellationen der beiden für harmonisch gut befunden hatte… Super, dann ist ja alles „in trockenen Tüchern“:

    Und nach ca, einer Stunde warten, kam dann auch der Bräutigam auf einem weißen Pferd angeritten, umgeben von einer Horde tanzender Freunde. Das witzigste an dieser kleinen Parade war, das der Bräutigam selbst eine Videokamera hielt und seine eigene Hochzeit filmte…

    Nach der Parade tauchte dann wie aus dem Nichts die Braut auf. Die „Zeremonie“ ging dann so weiter, dass das Brautpaar ca. 4 Stunden (!!!) auf der Bühne auf einer Couch saß, damit sich alle Gäste mit dem Paar fotografieren lassen konnten. Was für eine Anstrengung. Das Lächeln der Braut war schon nach einer halben Stunde eingefroren…

    Es gab von der Bühne aus eine Live-Schaltung per Leinwand in den riesigen Buffetbereich, damit alle auch beim Essen weiter zu gucken konnten.


    Das Essen war jedenfalls fantastisch!! Wir haben richtig reingehauen, hatten aber auch seit Stunden nichts gegessen. Beim Essen hat uns Mahindra zig Leuten vorgestellt, schließlich sprach uns Prof. Dr. Kalla an, überreichte uns natürlich seine Business Card (Adresse: Prof. Dr. Kalla, Kalla Road 1 …- aha!) und erzählte uns, dass er in Salzburg jahrelang mit bekannten Pharmaunternehmen Forschungen für die Verhütungs-Pille für den Mann angestellt hat. Er wollte dann gerne unsere Meinung / Einschätzungen darüber wissen, ob deutsche Männer wohl solch eine Pille nehmen würden. Und wie wir nach unseren bisherigen Reiseerfahrungen den Erfolg/die Akkeptanz solch einer Verhütungsmethode bei indischen Männern einschätzen würden..
    (Es bleibt wohl an dieser Stelle eigentlich unnötig zu erwähnen, dass Sex für Inder DAS große Tabuthema ist!!!) – Ok, da war sie wieder diese Situation, in der wir uns auf einmal kopfschüttelnd befinden ohne auch nur den geringsten Plan zu haben, wie wir da wieder rauskommen können…

    Gegen halb 1 Uhr nachts sind wir dann mit Mahindra, Raju und ihrem Vater von deren Fahrer zu unserem Guesthouse gebracht worden. Die eigentliche Hochzeitszeremonie, bei der das Brautpaar durch einen roten Bindfaden miteinander mehrere Runden um eine kleine Feuerstelle geht bis der Priester sie schließlich zu „Mann und Frau erklärt“ hatte bis zu unserer Abfahrt übrigens nicht stattgefunden. Während dieser ganzen Zeremonie wird auch kein Körperkontakt zwischen den beiden ausgetauscht und es wird auch nichts mit einem „Kuss besiegelt“…

    Bei unserer Rückfahrt hat sich herausgestellt, dass alle der „Obersten“ der Brahmanen Kaste angehören. Es war ihnen nämlich sehr wichtig, zu hören, dass uns das Essen ganz besonders außerordentlich gut geschmeckt hat ( es wurde nämlich ohne Zwiebeln oder Knoblauch zubereitet, die aufgrund ihrer Gerüche bei ihrer „so-called: community“ als „unrein“ gelten.)

    An der Straße, wo der kleine Fußweg zu unserem Guesthouse abzweigte stand dann unser „Herbergsvater“ und schien sich sichtlich Sorgen um uns gemacht zu haben! (Wow - was für eine Zuwendung uns fremden Menschen gegenüber, das er sogar nachts in der dunklen Gasse auf uns wartet!)

    Er ist sofort auf Manhidra mit Gebrüll losgegangen, was diesem einfiele uns 3 Mädels einfach nachts irgendwo hinzuverschleppen… Dann bekamen wir leider nur noch Fetzen von dem Gespräch mit, in denen wir mehrmals das Wort „Brahma“ verstanden… Es war ein heißes Wortgefecht, aber am Ende schienen sich die beiden Männer einig und verkündeten uns sichtlich zufrieden, dass zum Glück alles ok sei, weil sie beide Brahmanen wären.. - Und wieder dieses wortlose Kopfschütteln von uns…

    Kastenwesen

    Obwohl heute in Indien zwar offiziell jede durch das Kastenwesen bedingten Benachteiligungen gesetzlich verboten sind, waren wir überrascht zu sehen welchen großen Teil des gesellschaftlichen „Miteinanders“ dieses „Soziale Phänomen Indiens“ immer noch einnimmt.

    Beruf und Partner bzw Heirat

    Noch heute bestimmt die Kaste weitgehend die Partner- und Berufswahl.

    Die arrangierten Hochzeiten werden meist innerhalb der Kaste organisiert. So sehen zB in der „Hindu Times“ die Kontakanzeigen in etwa so aus „Guterzogener Brahmane aus anständigem Elternhaus sucht hübsche Brahmanin mit guter Bildung“ (…) Auch auf indischen Websites zur Partnersuche finden sich Suchfunktionen nach Kastenkriterien.

    Dennoch haben wir im „modernen Indien“ auch starke Tendenzen zur Liebesheirat festgestellt und selbst in arrangierte Ehen werden mittlerweile Kastenschranken überwunden.

    Bezüglich der „Berufswahl“ haben wir in Bundi einen Brahmanen kennengelernt, der zwar die fischreichsten Gewässer auf seinen Ländereien hatte, aber aufgrund seiner Kastenzugehörigkeit, nicht selber dort angeln gehen konnte…

    Praktisch kann allerdings jeder jeden Beruf ausüben. Lediglich ein Bruchteil der Brahmanen ist Priester, während heute verstärkt auch Angehörige anderer Kasten dieses Amt ausüben. Beliebt sind Brahmanen dagegen als Köche in besseren Restaurants, da noch heute einige „Höherkastige“ keine von „Niederkastigen“ zubereiteten Speisen essen würden.

    Gemeinsame Mahlzeiten

    Früher waren grundsätzlich keine gemeinsamen Mahlzeiten erlaubt, weil „Hochkastige“ das gemeinsame Mahl mit „Niedrigkastigen“ als verunreinigend empfanden. Derartige Trennungen gibt es in den großen Städten nicht mehr und für das gemeinsame Essen in Betriebskantinen beispielsweise sind Kriterien wie rituelle Reinheit völlig irrelevant.

    Dennoch haben wir die Erfahrung gemacht, dass gerade in ländlichen Gegenden diese alten Strukturen doch noch fest verankert sind. So war es einer Familie sehr wichtig, dass wir keine Mahlzeiten in unserem Guesthouse einnehmen, da das Küchenpersonal einer Kaste angehörigen, die sie als „unrein“ betrachten!

    Bedeutung heute

    Die Zuordnung zu einer Kaste sagt nichts über „wohlhabend“ oder „arm“ aus. Die Einteilung erfolgt nach ritueller Reinheit und Aufgabenbereich, nicht jedoch nach „Oberschicht“ oder Unterschicht“, die sich nach finanziellen Kriterien richtet. Durch jahrhundertelange Ausbeutung findet sich Armut jedoch tendenziell mehr bei „Niedrigkastigen“, obwohl auch brahmanische Familien, Angehörige der obersten Kaste, wirtschaftlich sehr schlecht gestellt sein können.

    Um für uns mehr Durchsicht in dieses indische Gesellschaftsgefüge reinzubringen „hatten wir mal ein wenig „Hausaufgaben gemacht“ und folgende interessante Sachen herausgefunden:

    Der Begriff Kaste stammt aus dem portugiesischen/spanischen casta : Rasse, bzw. leitet sich von dem von lateinischen Wort castus für rein ab.

    Gliederungsebenen

    Beim „Kastensystem“ wird unterschieden in
    1. die vier Hauptkasten (Varna)
    2. diese gliedern sich in Untergruppen (Jati) auf


    Varna

    Varna ist Sanskrit und bedeutet wörtlich „Klasse, Stand, Farbe“. Es gibt vier Varnas:

    1. Brahmanen (traditionell die intellektuelle Elite, Ausleger heiliger Schriften (Veda), Priester)
    2. Kshatriyas (traditionell Krieger und Fürsten, höhere Beamte)
    3. Vaishyas (traditionell Händler, Kaufleute, Grundbesitzer, Landwirte)
    4. Shudras (traditionell Handwerker, Pachtbauern, Tagelöhner

    Darunter stehen die „Unberührbaren“, auch als Paria bekannt. Traditionell nimmt man an, dass mit dem Begriff Varna die Hautfarbe gemeint war: je höher die Kaste, desto heller die Haut, worin sich die Rassenzugehörigkeit verschiedener Einwanderer- bzw. Erobererwellen widerspiegele. Allerdings gibt es darüber mehrere Theorien.

    Während unseres ganzen Indienaufenthaltes war das Thema „Whitening“ allgegenwärtig: auf zahlreichen riesigen Werbeflächen, im Fernsehen, Radio, Zeitschriften, in den Drogerie- und Supermärkten etc. Die Slogans lauten in etwa so: „Jede Frau hat das Recht natürlich weiß zu sein!“. Öfters kam es auch vor, dass wir gefragt wurden „welches Produkt zur Hautaufhellung, wir denn benutzen würden“… Und das, wo wir paradoxerweise doch immer versucht haben, uns eine schöne gesunde Bräune anzueignen…

    „Das System der Varnas lässt sich als die geistig-ideologische Ebene des Kastensystems beschreiben, da es eine Legitimation für die erbliche Gesellschaftshierarchie bietet. Es ist eine ideale, rein theoretische Ordnung, die jedoch zu keinem Zeitpunkt der Geschichte nachweisbar ist. Die Frage nach dem Ursprung ist ungeklärt, keine Institution und keine Schrift hat die Kastenordnung geschaffen oder verordnet. „

    Nach hinduistischer Vorstellung sind mit der Kastenzugehörigkeit bestimmte kosmische und soziale Pflichten (Dharma) verbunden. Die traditionelle Pflicht eines Kshatriya ist es, die Gesellschaft zu führen, zu kämpfen und in den Krieg zu ziehen, wogegen Brahmanen die Schriften studieren, lehren sowie den Vollzug der Riten sicherstellen sollen.

    Jati

    Die Kastenzugehörigkeit des Individuums wird durch die Geburt bestimmt, wobei Ein- oder Austritt theoretisch nicht möglich sind. Heute erfüllt das Kastenwesen auch wichtige soziale Aufgaben und so haben die Jatis in gewisser Weise auch die Funktion eines Sozialversicherungssystems: sie bieten in den Millionenstädten für Arbeitsuchende aus anderen Gegenden des Landes oft die einzige Zuflucht, die einzige Möglichkeit, Aufnahme, Nahrung und Hilfe zu finden, oder garantieren ein Überleben der Familie bei Arbeitslosigkeit und Krankheit.


    Wenn ein Inder übrigens wissen möchte, zu welcher Kaste ein anderer gehört, fragt man in Hindi nach der Jati oder im Englischen nach der „community“.


    Allerdings hat es zu allen Zeiten hinduistische Bewegungen gegeben, die Auswüchse und Ungerechtigkeiten angeprangert und eine Überwindung der strikten Kastenschranken gefordert haben.

    Nur einige orthodoxen Hindus und jenen, die Privilegien und Ausbeutung mit dem alten System legitimieren, halten auch heute noch an diesen Strukturen fest. Moderne Hindus lehnen es vielfach ab, die grundsätzliche Gebundenheit an Kasten aufrechtzuerhalten.


    Studium des Veda durch die oberen Kasten (Varnas)

    Einige Brahmanen betrachten sich als die einzige „reine“ Varna und alle anderen als „vermischt“. Die ersten beiden Varnas machen etwa 10 % der Bevölkerung Indiens aus.

    Die Zugehörigkeit zu den oberen Varnas war eng gekoppelt mit Kenntnissen des Veda, der heiligen indischen Texte. Das Studium der Veden betrachteten sie nicht nur als ihre Pflicht, sondern auch als ihr Vorrecht, die Weitergabe dieses Wissens an Außenstehende war lange Zeit tabuisiert.

    Reinheit und Unreinheit

    Für die Hierarchie zwischen verschiedenen Jatis spielen die Vorstellungen von Reinheit und Unreinheit eine große Rolle. Als besonders rein gelten Brahmanen, die Priesterkaste, als besonders unrein hingegen jene Jatis, die mit unreinen Berufen zu tun haben, wie zum Beispiel die Wäscher, Friseure und Müllbeseitiger. Die reinen Kasten sind bestrebt, sich möglichst von den unreinen Kasten fernzuhalten, wobei in diesem Zusammenhang auch körperliche Reinheit oder Unreinheit ein wichtiges Kriterium ist. Aus diesem Grund wird heute noch Unberührbaren oftmals der Zugang zu Tempeln verwehrt. Allerdings ist strikte Separation nur in ländlichen Bereichen möglich, da man im städtischen Umfeld über die Kaste einer anderen Person nur informiert ist, wenn man sie persönlich oder wenigstens den Namen kennt. Dieser oft schon genug Hinweis auf die zugehörige Kaste (so ist ein „Patel“ ursprünglich zB ein Händler aus Gujarat und ein „Singh“ ein Brahmane aus Rajahstan.)

    Unberührbare Kasten

    Die westlichen Vorstellungen von „Kastenlosen“ (Paria) beruhen weitgehend auf veralteten Beschreibungen. Echte „Kastenlose“ gibt es kaum. Die so genannten „Unberührbaren“ sind meist Angehörige der niedrigsten Kasten beziehungsweise Unterkasten, wovon wahrscheinlich über 3.000 existieren.

    Seit der indischen Unabhängigkeit werden den Angehörigen unberührbarer Kasten und der Stammesbevölkerung (scheduled castes und scheduled tribes) bestimmte Quoten bei der Besetzung von Stellen in der öffentlichen Verwaltung und im Bildungswesen zugestanden. Dies hat dazu geführt, dass in diesem Bereich Unberührbare nicht mehr benachteiligt, sondern bewusst gefördert werden.

    Mahatma Gandhi, der Indien in die Unabhängigkeit geführt hat, sowie der wichtige religiöse Führer Swami Vivekananda waren Vaishya.

    Auch in der Politik hat sich einiges verändert: Der erste Staatspräsident aus einer unberührbaren Kaste war K. R. Narayanan, der von 1997 bis 2002 amtierte. Es hat sich aber gezeigt, dass die formale Emanzipierung von Mitgliedern niedriger Kasten noch nicht überall in dem Maße zu einer Emanzipierung im sozialen Leben beitrug, wie es wünschenswert wäre.

    Um dem Kastenwesen „zu entfliehen“ sind viele Angehörige unberührbarer Kasten zum Buddhismus oder Christentum übergetreten.

    Christliche und Muslimische Kasten in Indien

    Allerdings haben auch die christlichen und muslimischen Inder sich ein ausgeprägtes Bewusstsein ihrer Kastenzugehörigkeit bewahrt.
    Die vier Hauptkasten der indischen Muslime lauten

    1. Sheikh,
    2. Khan,
    3. Beg und
    4. Sayid (auch Säyäd).


    Quelle: Für unsere „Recherchen“ haben wir hier auf wikipedia zugegriffen.

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